Zwei Momente belegen die vormalige Existenz gesondert eingerichteter Stimmen der Sextettfassung, die gleichzeitig Stichvorlage für die gedruckten Stimmen L gewesen sind. Zum einen liegt das Datum der Uraufführung der Streichorchesterfassung (Prag, 29.11.1916 unter der Leitung Alexander Zemlinskys) vor dem Erscheinungstermin der gedruckten Stimmen (29.8.1917). Zum anderen bestätigen auch die Lesarten von L, daß nicht ein Partiturexemplar (G*, I*), sondern ein Exemplar der Stimmen F die Vorlage für die gedruckten Stimmen gewesen sein muß. Denn die zahlreichen Diskrepanzen zwischen dem Notentext von Partitur- und Stimmendruck der Sextettfassung (vgl. GA, R eih e B, Bd. 22, S. 38 ff.) sind auch in der Streichorchesterfassung nicht beseitigt.
Schönbergs Brief vom 20. Oktober 1916 an Zemlinsky macht es wahrscheinlich, daß der Komponist eine eingerichtete Partitur (wohl G*), vielleicht auch bereits eingerichtete Stimmen, an die Universal-Edition gesandt und den Auftrag erteilt hatte, entweder die Stimmen gemäß der Partitur einzurichten oder zumindest zu vervielfältigen. Schönberg schrieb: "Das Sextett ist schon bei Herzka, das Material wird hoffentlich bald fertig". Darauf antwortete Zemlinsky am 23. Oktober 1916: "Die Stimmen z um Sextett müssen sehr bald Herkommen; die Orchestermitgl[ieder] verlangen sie bereits. Daß schließlich Exemplare der zur Uraufführung verwendeten Stimmen wohl ohne große Änderungen als Vorlage für die gedruckten Stimmen herangezogen wurden, macht dann Schönbergs Brie f vom 4. Dezember 1916 an Hermann Kutzschbach deutlich, in dem es u. a. heißt: "Ich werde mir übrigens, sobald das Material aus Prag da ist, die Sache noch einmal vornehmen und sehen , was noch zu machen ist. Ich dachte daran, eine vollständige Umarbeitung vorzunehmen. Aber nach der Generalprobe waren Zemlinsky und ich einig, dass das nicht nötig ist. Auch Hertzka hatte bereits am 1. Dezember 1916 an den noch in Prag weilenden Schönberg die Materialherstellung angesichts des großen Erfolgs der Uraufführung erwähnt.
Denkbar erscheint es auch, daß die Universal-Edition nach der Zusendung von G* die dort vorgenommenen Änderungen nochmals in ein neues Exemplar der Sextett-Stimmen F eintrug und nicht Exemplare der Uraufführungsstimmen, die vielleicht noch typische Gebrauchsspuren wie geänderte Striche und Fingersätze enthielten, verwendet hat. Aus den Briefen geht nicht hervor, wie ferner mit der Kontrabaßstimme verfahren wurde. Hier bleiben zwei Möglichkeiten. Entweder wurde die Stimme des II. Violoncello verwendet und mittels Überklebungen etc. entsprechend eingerichtet; oder es ist von Seiten der Universal-Edition auch eine Kopistenabschrift angefertigt worden, die dann vervielfältigt wurde (bei der Prager Uraufführung wirkten acht Kontrabässe mit).