Für die Beschreibung der Quelle, deren Standort zur Zeit nicht ermittelbar ist, standen nur Kopien zur Verfügung. Es ist daher möglich, daß die nachfolgenden Angaben unvollständig sind; über einige Details ließen sich Aussagen nur mittels Mutmaßungen und Schätzungen treffen.Konvolut aus einem Einzelblatt (Einheit 1) und fünf aufeinanderliegenden Blättern (Einheit 2-6) zweier unterschiedlicher Sorten Notenpapier. Einheit 1: hoch vermutlich ca. 345x265 mm, 14 vorgedruckte Systeme, Firmenzeichen: J. E.-Wappen a | No. 3 | 14 linig. (= J.E.14a[1]) auf Seite 1v auf dem Kopf stehend; Einheit 2-6: hoch wohl ca. 355x270 mm, 12 vorgedruckte Systeme, Firmenzeichen: B. H.-Wappen | B. & H. Nr. 1. C. | 1. 12 jeweils unten links auf den Recto-Seiten. Die Papiersorte von Einheit 2-6 wurde auch im Sammelautograph von Pierrot lunaire (Quelle C, Papiersorte P5; vgl. GA, Reihe B, Bd. 24,1, S. 18) verwendet. Einheit 1 sowie Einheit 6 sind durch Klebestreifen ausgebessert, Einheit 1 ist am Rand mehrfach eingerissen.
Überwiegend wohl mit schwarzer Tinte beschriftet, die Bemerkung auf S. 1v vermutlich mit Bleistift. Paginierung ab Einheit 2 in den oberen Außenecken auf allen Seiten mit Ausnahme von S. 2r und S. 3r von 2 bis 10 (1 und 3 fehlen). Ohne Taktzählung.
Inhalt
Einheit 1: Titelblatt.
S.1r: Titel mit schwarzer Tinte zentriert in Höhe der Systeme 3-6 vermutlich von Hanns Eisler: Erwartung | von | Arnold Schönberg. | !! Manuskript. !!.
S.1v: am oberen Rand wohl mit Bleistift vermutlich von Hanns Eisler: Liebes Katzerl, was kann ich Dir mehr schenken? Hanns; die Widmung ist wahrscheinlich an Eislers erste Ehefrau Charlotte Eisler, geb. Demant gerichtet.
Einheit 2-6: Notentext der Takte 1-76. Die Aufteilung entspricht derjenigen von Quelle L: Die Systeme 1, 5, 9 sind jeweils der Singstimme, die Systeme 3/4, 7/8, 11/12 in der Regel dem Klavier zugeteilt. Die Systeme 2, 6, 10 sind entweder leer, enthalten Tempoangaben, nicht zu spielende Noten in kleiner Schrift oder sind bei komplexeren Passagen einem dritten Klaviersystem vorbehalten.Vollständig im Klavierauszug liegen die Takte 1-56 vor (S. 2r-5v); in den Takten 57-76 (S. 6) sind in der Singstimme nur Tonhöhen und Rhythmus notiert, der zu singende Text fehlt. Die Klavierstimme ist hingegen bis Takt 76 vollständig notiert. Ferner fehlen auf dieser Seite die Akkoladenstriche und -klammern, ab Takt 67 (S. 6v) fehlen zudem sowohl in der Singstimme als auch im Klavier die Taktstriche.
Im Notentext gibt es wohl keine späteren Eintragungen oder Korrekturen mit anderen Schreibmaterialien. Im wesentlichen entspricht O der Quelle L, doch ist nur ein Teil der Nachträge und Fehlerkorrekturen dieser Quelle berücksichtigt.
Damit liegt ein wichtiger Anhaltspunkt für die Datierung der Quelle vor: L ist wohl vor allem Anfang 1910 und dann im Herbst 1913 benutzt worden. Diejenigen nachträglichen Eintragungen, die im Zusammenhang mit der praktischen Verwendung der Quelle stehen, dürften also im wesentlichen aus diesen beiden Phasen stammen. O muß daher vor Herbst 1913, also vor der zweiten Hälfte der Nachträge, geschrieben worden sein. Dieses Datum post quem non wird durch das einzige Briefdokument, in dem Heinrich Schönberg im Zusammenhang mit dem Klavierauszug erwähnt wird, von der anderen Seite eingegrenzt. Nachdem Schönberg am 28.10.1912 gegenüber Hertzka die Verlagskopie N* als unbrauchbar bezeichnet und angekündigt hatte, nun seinerseits für die Herstellung von Abschriften zu sorgen, bekundete er knapp zwei Wochen später in einem weiteren Brief an Hertzka (8.11.1912) die freilich nur sehr vage formulierte Absicht, seinen in Berlin weilenden Bruder mit der Kopie eines Klavierauszugs zu betrauen (Allerdings: er sollte den Klavierauszug des Monodrams machen? Aber vielleicht kann ich das noch einstweilen hinausschieben.). Somit dürfte Quelle O zwischen November 1912 und Herbst 1913 entstanden sein. Da unklar ist, wann Heinrich Schönberg aus Berlin wieder abreiste (möglicherweise auch schon im Laufe der ersten Monate des Jahres 1913) kommt als terminus ante quem eventuell auch ein früherer Zeitpunkt in Frage.
(für den zitierten Brief vgl. GA Reihe B, Band 6/2, Dok. I 85)